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Alpinkletter Know-How Alpinkletter Know-How Alpinkletter Know-How
Unterkapitel: Alpinkletter Know-How

Alpinkletter Know-How

TAKTIK: IN DER WAND

Mit deinem Seilpartner stehst du am Einstieg eurer Tour. Jetzt sind Grundregeln gefragt, die ihr vor und während der Tour braucht.

Der Partnercheck ist ein elementarerer Bestandteil bevor die Seilschaft losklettert. Zudem muss jede Seilschaft für sich entscheiden, ob sie im Überschlag oder in Raupen-Technik klettert. Nur mit einem reibungslosen Seilschaftsablauf, den richtigen Seilkommandos und dem richtigen Clippen kann sich die Seilschaft effizient und schnell bewegen. Sollte der Nachsteiger trotz guter Vorbereitung in der Wand Probleme bekommen, ist es wichtig, dass die Kletterer Methoden wie den Expressflaschenzug beherrschen, um schnell zu helfen. Zum Schluss zeichnet auch das saubere Seilhandling eine gute Seilschaft aus, um Zeitverlust und kritische Situationen zu vermeiden. 

Partnercheck

Der Partnercheck gehört vor jedem Start einer Seilschaft dazu: Vom Sport- und Alpinklettern über das Eis- und Mixedklettern bis hin zur Hochtour ist er wichtiger Bestandteil. Bei einem Partnercheck kontrolliert sich jeder Kletterer selbst so wie seinen Partner. Besonders in der Routine können kleine Fehler unbemerkt passieren, die in der Vertikalen fatale Folgen haben. 

Partnercheck

FOLGENDE FÜNF PUNKTE WERDEN BEIM PARTNERCHECK ÜBERPRÜFT

  1. Ist der Gurt korrekt angelegt und geschlossen?
  2. Ist der Anseilknoten im Gurt korrekt geknüpft?
  3. Ist das Sicherungsgerät richtig eingelegt, der HMS-Karabiner geschlossen und verriegelt?
  4. Ist ausreichend Material am Gurt der kletternden Person?
  5. Ist das Seil lang genug und das Seilende durch einen Knoten gesichert?
Seilschaftsablauf beim Alpinklettern Seilschaftsablauf beim Alpinklettern Seilschaftsablauf beim Alpinklettern

Reibungsloser Seilschaftsablauf

Der Helm sitzt und der Partnercheck ist vollständig durchgeführt. Jetzt kann es losgehen: Wird als überschlagende Seilschaft geklettert, dann wechseln sich Vorsteiger und Nachsteiger ab. Der nachsteigende Kletterer wird in der darauffolgenden Seillänge im Vorstieg weiter klettern. Beim nächsten Standplatz wird wieder gewechselt. Gibt es allerdings nur einen Vorsteiger, der jede Seillänge voraus klettert, spricht man von permanenter Führung. Hier müssen das Seilhandling und der Standplatzbau dementsprechend angepasst werden. 

Für beide Taktiken gelten dieselben Seilkommandos. Mit diesen Kommandos, weiß jeder Seilpartner, was er zu tun hat. In eingespielten Seilschaften – oder bei alpinen Touren, in denen sich die Seilschaft nicht mehr hört – können die Kommandos über den Seilzug ablaufen. 

Im Folgenden betrachten wir den Ablauf einer Zweier-Seilschaft aus der Perspektive des Vor- und Nachsteigers: 

Angekommen am Fels, Material anlegen und Partnercheck
Einstieg der Tour

Der Zustieg ist geschafft und ihr steht am Einstieg eurer Tour. Nun werden Helm, Gurt und Schuhe angelegt, sowie das Material am Gurt sortiert. Sitzt die Ausrüstung, seilt sich der Vorsteiger an, und der Nachsteiger hängt die Partnersicherung ein. 

Der Partnercheck ist ein elementarerer Bestandteil bevor die Seilschaft losklettert. Dabei werden gegenseitig Helm, Gurt, Anseilpunkt, Partnersicherung, Standplatz und Material überprüft. 

Noch ein Blick ins Topo, um den Routenverlauf zu verinnerlichen und los geht’s… 

01
Vorsteigen
Vorsteiger

Der vorsteigende Kletterer beginnt zu klettern und hat dabei den ersten Fixpunkt bzw. Zwischensicherung im Blick. Sind keine Haken in Sicht, wird ein mobiles Sicherungsmittel gelegt. 

Geclippt wird dabei aus einer stabilen, nicht überstreckten Position. 

Nachsteiger

Der Nachsteiger sichert aufmerksam und achtet zudem auf einen sauberen Seilverlauf. Wird die Zwischensicherung geclippt, lässt er dem Vorsteiger rechtzeitig genügend Seil.

02
Standplatz
Vorsteiger

Der vorsteigende Kletterer hat den Standplatz erreicht. Je nach Fixpunktanzahl und Qualität entscheidet er sich für eine Standplatzmethode. Sobald der Standplatz aufgebaut ist und er sich in die Selbstsicherung eingehängt hat, kommt das erste Seilkommando: „STAND“. 

MERKE: Sind mehrere Seilschaften in der näheren Umgebung, ruft der Kletterer nach dem Kommando den Namen seines Seilpartners. Sonst kann es zu Missverständnissen naheliegender Seilschaften kommen. 

Nachsteiger

Sobald der Nachsteiger das Seilkommando „STAND“ hört, löst er die Partnersicherung und ruft: "SEIL EIN" oder „SEIL FREI“. 

03
Nachkommen
Vorsteiger

Der Kletterer am Standplatz zieht das Seil schnell und ordentlich ein. Es empfiehlt sich das Seil möglichst auf einen Absatz auf einen Haufen zu legen. Am Hängestand muss das Seil in Schlaufen, die zu Beginn größer sind und dann immer kleiner werden, über die Füße, die Selbstsicherung oder in eine Schlinge gelegt werden. Dadurch kann das Seil beim Sichern des Vorsteigers in der nächsten Seillänge nicht untereinander rutschen. Ist das Seil „aus“, hängt der Vorsteiger die Partnersicherung ein. Es folgt das Seilkommando: „NACHKOMMEN“.

Nachsteiger

Erst wenn der Vorsteiger „NACHKOMMEN“ ruft, hängt sich der Nachsteiger aus der Selbstsicherung aus. Jetzt kann er den Standplatz abbauen und nachsteigen. Direkt vor dem Losklettern ruft er: „KOMME“. 

04
Nachsteigen
Vorsteiger

Sobald das Seil nicht mehr auf Spannung ist, weiß der Kletterer am Standplatz, dass der Nachsteiger begonnen hat zu klettern. Er zieht das Seil nach und nach ein. Dabei achtet er auf ein sauberes Seilhandling. 

Nachsteiger

Beim Nachsteigen hängt der Kletterer alle Zwischensicherungen aus und baut die vom Vorsteiger gesetzten mobilen Fixpunkte ab. Den Klemmkeilentferner hat er immer griffbereit. 

05
Stand Entscheidung
Vorsteiger & Nachsteiger

Sind beide Seilpartner am Stand angekommen, wird entweder in Wechselführung oder in permanenter Führung weitergeklettert:  

Seilschaftsablauf: Standkommandos
06
Führung
Wechselführung

Vorsteiger: Bei der Wechselführung, dem überschlagenden Klettern, wird der nachsteigende Kletterer jetzt Vorsteigen. Sobald der Nachsteiger am Stand angekommen ist, teilt ihm der Seilpartner mit, wo er sich am besten hinstellt und übergibt dem neuen Vorsteiger das restliche Material für die nächste Seillänge. Je nach Sicherungstechnik muss die Sicherung des Vorsteigers angepasst werden. 

Nachsteiger: Sobald der Nachsteiger am Stand ankommt, stellt dieser sich bequem hin und sichert sich mit Mastwurf im Seil oder Bandschlinge selber. Er positioniert sich, nimmt das Material des Vorsteigers und schaut sich im Topo die nächste Seillänge an. Hat der Seilpartner ihn in der Sicherung, dann kann der neue Vorsteiger sich bereit machen zum Klettern. 

Permanente Führung

Vorsteiger: Steigt der Vorsteiger in der kommenden Seillänge wieder vor, spricht man von permanenter Führung. 

Sobald der Nachsteiger am Stand angekommen ist, teilt ihm der Seilpartner mit, wo er sich am besten hinstellt und seine Selbstsicherung einhängt. Er nimmt jetzt vom Nachsteiger alles Material, was dieser aus der Wand mitgenommen hat. Ist der Nachsteiger gut platziert, übergibt er ihm das Seil. Am besten wird das Seil einmal durchgezogen. Damit das Seilende des Vorsteigers von oben aus dem Seilhaufen ausläuft. Am Hängestand muss das Seil ebenfalls durchgezogen werden und über die Füße, die Selbstsicherung des Sichernden oder eine Schlinge gelegt werden. 

Nachsteiger: Sobald der Nachsteiger am Stand ankommt, stellt dieser sich bequem hin und sichert sich mit der Selbstsicherung. Er steht so, dass der Vorsteiger gut weiterklettern kann. Das mitgenommene Material übergibt er an den Vorsteiger, übernimmt gleichzeitig das Seil und baut die Sicherung des Vorsteigers auf.  

Klettern im Vorstieg

ZWISCHENSICHERUNG UND SEILTECHNIK

Wer im Vorstieg klettert, muss auf einen möglichst gradlinigen, reibungsarmen Seilverlauf achten. Beim Klippen wird das Seil unverdreht durch die Expressschlingen geführt. Zudem ist die Seilführung am Körper wichtig: Das Bein sollte nie hinter dem Seil sein, da im Sturzfall der Kletterer in eine Kopfüber-Position stürzen kann. Schwere Anprall-Verletzungen sowie Verbrennungen durch das Seil können die Folge sein.

Klipprichtung Biegelast Seilverlauf Verlängerbare Exe

RICHTIG CLIPPEN

Beim Alpinklettern, vor allem in Plaisir-Routen, befinden sich Bohrhaken. Diese sind allerdings weiter voneinander entfernt als im Sportklettergarten. Beim Klippen der Zwischensicherungen sollte der Kletterer deswegen immer in einer stabilen Position stehen, um keinesfalls zu stürzen. Die Expresschlingen werden mit dem Schnapper entgegen der Kletterrichtung in den Haken geklippt. Bei einem Ringhaken muss der Schnapper von der Wand wegzeigen. 

BIEGELAST AUF KARABINER VERMEIDEN

Ein Karabiner sollte nie über Kanten auf Biegung belastet werden. Bei einem Sturz droht der Karabiner sonst zu brechen. Durch eine verlängerbare Exe bzw. durch eine kurze Kevlar-Reepschnur kann die Knickbelastung vermieden werden. 

SEILVERLAUF VOM FELS NACH AUSSEN

Das Seil muss von hinten (unten) in den Karabiner laufen und vorne zum Kletterer wieder rausführen. Wird verdreht geklippt kann sich das Seil beim Sturz im Extremfall ausklippen. 

VERLÄNGERBARE EXEN FÜR WENIGER SEILREIBUNG

Besonders in alpinen Routen sind schnell verlängerbare, vorbereitete „Alpin-Exen“ hilfreich. So wird die Seilreibung minimiert und die Seilführung verbessert. 

Rettungsmethode:
Expressflaschenzug

Der Expressflaschenzug gehört zu den Rettungstechniken, obwohl er vielmehr als Zughilfe dient. Hat der Seilpartner bei einer schwierigen Stelle im Nachstieg Schwierigkeiten, kann mithilfe des Expressflaschenzuges „mehr Zug“ gegeben werden. So kann dem Seilpartner im Notfall schnell und effektiv geholfen werden.

Schleifknoten Fixiertes Seil, nun Prusik Schleifknoten lösen Prusik nachschieben

1. SCHLEIFKNOTEN

Muss man mit behelfsmäßiger Bergrettung sich oder seinem Partner zu Hilfe kommen, ist das Fixieren des Sicherungsgeräts meist der erste Schritt, um beide Hände zum Arbeiten frei zu bekommen.

Schleifknoten

2. FIXIERTES SEIL, NUN PRUSIK EINKNÜPFEN

Wird nicht mit einer Sicherungsplatte (hier ist die Rücklaufsperre bereits gegeben) gesichert, dann muss zuerst das Sicherungsgerät mittels Schleifknoten fixiert werden, um beide Hände zum Arbeiten frei zu bekommen. Dann legt man eine Kurzprusik über den belasteten Seilstrang und hängt einen Karabiner ein. In den Karabiner wird das lose Bremsseil umgelenkt und nach oben geführt.

3. SCHLEIFKNOTEN LÖSEN

Das Bremsseil wird nun festgehalten, der Schleifknoten mit einer Hand gelöst und man beginnt mit dem Hochziehen. Beim Ziehen nach oben springt der HMS um und läuft bei Zug mit. Bei der Sicherungsplatte wird das Seil einfach eingezogen.

4. PRUSIK NACHSCHIEBEN

Sobald die Prusik weit genug nach oben gewandert ist, hält man das Bremsseil fixiert und schiebt die Prusik wieder nach unten. Jetzt kann wieder am Seil gezogen werden. Dieser Vorgang wird so lange wiederholt bis der Kletterer die Stelle überwunden hat.

Video

Kletterseil richtig aufnehmen

Seilaufschießen

Das Seil ist die Lebensversicherung des Kletterers. Während des Kletterns, aber genauso beim Aufschießen des Seils muss sauber gearbeitet werden. Krangel und Knoten sind nicht nur Zeitfresser in der Wand, sondern seilschädigend. So muss das Seil bei jedem Aufschießen auf Schwachstellen kontrolliert werden. Ist das Seil beschädigt, muss es unverzüglich ausgetauscht werden. Je nach Vorliebe verwendet der Kletterer eine andere Methode beim Seilaufnehmen: Ob von der Mitte oder von den Seilenden, ob von der Hand oder über der Schulter. Hilfreich in alpinen Touren ist das Binden einer Seilpuppe, damit der Kletterer das Seil beim Zu- oder Abstieg sicher und bequem am Rücken tragen kann. 

VON DER MITTE 

Nimmt der Kletterer das Seil von der Mitte auf, werden Krangel meist selbständig zum Seilende befördert. Zuerst wird die Mittelmarkierung gesucht. Danach – von der Mitte beginnend - werden die gegengleichen Schlaufen in die Hand oder um die Schulter gelegt. Die Schlaufen werden von der einen zur anderen Seite aufgeschossen bis zwei Meter Seilende übrig bleiben. Diese wickelt man einige Male sehr stramm um die Seilschlaufen und zieht danach eine Schlaufe durch das Loch. Diese Schlaufe wird über den oberen Teil gelegt. Abschließend beide Seilenden durchziehen. 

VOM SEILENDE

Schnell und einfach ist das Aufschießen des Seils über die Seilenden. Hierzu das Seil von einem Seilende Schlaufe für Schlaufe über die Hand oder die Schulter aufnehmen bis etwa zwei Meter bis zum anderen Seilende übrig bleiben. Dieses Ende wickelt man einige Male sehr stramm um die Seilschlaufen und zieht  eine Schlaufe durch das Loch. Die Schlaufe dabei direkt über den oberen Teil des Seils legen. Abschließend das Seilende fest durchziehen.  

SEILPUPPE

Eine Seilpuppe kann mit beiden Methoden gelegt werden. Von der Mitte: Hat der Kletterer das Seil aufgeschossen müssen mindestens drei oder vier Meter Seilende übrigbleiben. Die Seilenden wickelt er nun einige Male stramm um die Seilschlaufen und zieht schließlich eine Schlaufe durch das Loch. Die Schlaufe wird über den oberen Teil gelegt und die Seilenden fest durchgezogen. Nun kann das Seil an den Rücken gehalten werden. Die Seilenden über die Schultern an die Brust legen und unter dem diagonalen Arm wieder zurück zur Seilpuppe führen. Von hinten schließlich wieder nach vorne zurückführen und am Bauch verknoten. 

Wird das Seil vom Seilende aufgenommen, müssen mindestens drei Meter beider Seilenden übrigbleiben. Ist das Seil aufgeschlossen, werden die Seilenden um die Seilschlaufen stramm gewickelt und schließlich eine Schlaufe über den oberen Teil gelegt und die Seilenden durchgezogen. Nun ist der Vorgang derselbe wie bereits beschrieben: Seil an den Rücken halten, Seilenden über die Schultern an die Brust legen, diagonal zurückführen und von hinten wieder nach vorne ziehen und verknoten.

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