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Unterkapitel: Kletterskalen

Kletterskalen

SCHWIERIGKEIT UND ERNSTHAFTIGKEIT EINER TOUR

Eine Schwierigkeitsskala beschreibt die Schwierigkeit von (Sport) Kletter-, Boulder-, Eis- oder Mixed-Routen. Beim Alpinklettern ergibt sich die allgemeine Schwierigkeit aus der schwierigsten Seillänge der gesamten Tour. Dabei gibt es je nach Gebiet und Land beim Klettern verschiedene Bewertungsskalen. Am verbreitetsten im Alpenraum sind die UIAA-Skala sowie die französische Skala. 

Im Gegensatz zum Sportklettern ist es beim Alpinklettern nicht die Schwierigkeit allein, die die Route ausmacht. Derselbe Kletterer kann eine gut gesicherte Tour im sechsten Grad ohne Probleme klettern, während er im kaum abgesicherten, ausgesetzten alpinen vierer nicht zurechtkommt. Deshalb kommen beim Alpinklettern Ernsthaftigkeitsbewertungen hinzu, wie zum Beispiel die E-Skala. Sie beschreibt nicht die klettertechnische Schwierigkeit, sondern die Absicherung, das Risiko eines Unfalls und die psychischen Anforderungen. 

SCHWIERIGKEIT EINER ROUTE

Vorab muss gesagt werden: Die Schwierigkeitsbewertung einer Route ist immer subjektiv. Zudem existieren von Land zu Land, genauso wie von Gebiet zu Gebiet Unterschiede in der Bewertung. Ist ein Ort unbekannt, sollte man Reserven einkalkulieren. 

ES GILT: Die Schwierigkeitsbewertung in der Halle lässt sich keineswegs auf Routen im alpinen Gelände übertragen. Daher: Langsam beginnen!

 

Ernsthaftigkeit einer Route

Die E-Skala soll die Ernsthaftigkeit einer Route wiedergeben. Anzahl, Qualität und Abstand der Zwischensicherungen sowie Felsqualität und Abgeschiedenheit der Route fließen hier mit ein.

Bewertung Erklärung
E1 Eingebohrte, sportkletterähnlich abgesicherte Route: geringe Hakenabstände
S = Sportkletterniveau; R = sehr gering, kaum obj. Gefahren oder Stürze mit ernsten Verletzungen möglich; P = sehr gering
E2 Überdurchschnittlich gut abgesicherte Route: gutes Material vorhanden, nur wenig eigene Absicherung nötig, z.T. größere Hakenabstände
S = Grundlagen mobiler Sicherung; R = geringe, gefährliche Stürze teilweise möglich aber unwahrscheinlich, kaum objektive Gefahren; P = gering
E3 Durchschnittlich abgesicherte Route: zusätzliche Absicherung ist nötig, noch relativ einfach
S = durchschnittliches Können mit Fixpunktschaffen; R = gefährliche Stürze lassen sich mit eigener Absicherung weitgehend vermeiden, geringe objektive Gefahren; P = mittel
E4 Alpine, schlecht abgesicherte Route: für Absicherung muss selbst gesorgt werden, auch an schwierigen Stellen
S = sicherer Umgang mit mobilen Sicherungsmitteln; R = mit konse- quenter Sicherungstechnik gefährliche Stürze weitgehend vermeidbar, runouts in leichtem Gelände, evtl. objektive Gefahren oder schwierige Rückzugsmöglichkeiten; P = mittel-hoch
E5 Schlecht abzusichernde Route: die Route ist schlecht abgesichert und kann auch stellenweise nicht oder nur schwierig abgesichert werden – lange runouts müssen bewältigt werden
S = sicherer Umgang mit allen Sicherungsmitteln; R = auch in schwierigen Passagen sind Stürze gefährlich; P = hoch
E6 Sehr ernste Route: bei der längere Passagen auch in den schwierigen Seillängen nicht abgesichert werden können. An den kritischen Stellen werden Stürze fatale Folgen haben.
S = perfekter Umgang mit allen – auch exotischen – Sicherungsmitteln; R = gefährliche Route mit sehr hohem Unfallrisiko; P = sehr hoch
S Wie gut muss der Begeher mit (welchen) Sicherungsmitteln umgehen können?
R Wie hoch ist das Risiko eines Unfalls oder einer Verletzung (vor allem, wenn man sich überschätzt hat?)
P Welche Anforderungen werden an die Psyche bzw. an die mentalen Fähigkeiten eines Begehers gestellt?