Souverän handeln im Notfall
Jeder Sturz kann zur Herausforderung werden - mit der richtigen Vorbereitung und schnellen Entscheidungen schützt du dich und andere. Erhalte wichtige Informationen, wie du dich in bestimmten Notfallsituationen richtig verhältst und souverän erste Hilfe leisten kannst.
Notfallmanagement
Erste-Hilfe Algorithmus
Der Alpine Erste Hilfe Algorithmus ist dein roter Faden im Notfall. Er hilft dir als ErsthelferIn, strukturiert vorzugehen – und gibt dir Sicherheit.
Durchatmen - 360° Ampelblick
Bevor du aktiv wirst, trete innerlich wie äußerlich einen Schritt zurück und atme tief durch. Nur wenn du einigermaßen ruhig bist, kannst du gute Entscheidungen treffen. Danach verschaffst du dir den Überblick über die Gesamtsituation. Teile die Umgebung in drei verschiedene Zonen ein:

Gefahrenbereich
Kein Aufenthalt! Sofortrettung unter akzeptablem Risiko möglich? Wenn nicht, dann ausschließlich Notruf absetzen!
Teilsicherer Bereich
Aufenthalt so kurz wie möglich – notwendige Versorgung und Abtransport so schonend wie möglich.
Sicherer Bereich
Aufenthalt möglich – ausführliche Versorgung.
Wichtig: Wie bei einer Ampel im Straßenverkehr kann sich die Lage jederzeit ändern. Bewerte die Situation laufend neu und passe deine Handlungsstrategie an. Sobald du dir den Überblick verschafft hast gilt: erst deine eigene Sicherheit herstellen, dann die der Gruppe und schließlich die Gefahrenstelle absichern.
Sicherheit herstellen
Erst wenn die Sicherheit gewährleistet ist , solltest du die verletzte Person versorgen!
Apps für den Notfall
Stark blutende Wunde? Eine stark blutende (fließend oder pulsierend) Wunde ist lebensbedrohlich und MUSS sofort gestoppt werden. Dies geschieht unabhängig davon, ob die verunfallte Person bei Bewusstsein ist oder nicht . Hierfür ist der Druckverband die beste Methode. Es gilt: Druck stoppt jede Blutung! Wenn keine anderen Handlungsmöglichkeiten bestehen, solltest du manuelle Kompression auf die Wunde ausüben! Im Idealfall unter Beachtung des Eigenschutzes und einem möglichst sauberen Abdecken der Wunde.
Kontrolle der Vitalfunktionen &
schnelles
Handeln im Ernstfall
Ist eine Person nicht ansprechbar, muss in jedem Fall der Notruf abgesetzt und die Atmung kontrolliert werden! Das Ergebnis ist entweder „normale Atmung vorhanden“ oder „keine oder keine normale Atmung vorhanden“ und bestimmt das weitere Vorgehen!
Überprüfung der Atmung
Ist eine Person nicht ansprechbar, muss in jedem Fall der Notruf abgesetzt und die Atmung kontrolliert werden! Das Ergebnis ist entweder „normale Atmung vorhanden“ oder „keine oder keine normale Atmung vorhanden“ und bestimmt das weitere Vorgehen! Im Rahmen der Ersten Hilfe wird ausschließlich die Atmung der verletzten Person kontrolliert – der Puls wird nicht gefühlt.
Die Atmung sollte nicht länger als 10 Sekunden überprüft werden. Eine Ausnahme gilt hier bei Lawinenverschütteten – hier darf die Atemkontrolle etwas länger dauern. Bei fehlender Atmung, sehr seltenen oder sehr unregelmäßigen Atemzügen oder Schnappatmung muss mit der Reanimation begonnen werden.
Achtung: Eventuelle starke Blutungen müssen sofort gestoppt werden und haben oberste Priorität, noch vor der Atemkontrolle!
Stabile Seitenlage
Nicht ansprechbar und normale Atmung
Stabile Seitenlage – Schritt für Schritt
1. Knie dich talseitig neben die bewusstlose Person.
2. Lege den – dir nahen – Arm auf deiner Seite im 90°-Winkel ab.
3. Winkle das gegenüberliegende Bein am Knie an und halte es fest.
4. Fasse die gegenüberliegende Hand, lege den Handrücken an die dir zugewandte Wange und halte ihn dort.
5. Dreh die Person kontrolliert über das Knie zu dir herüber.
6. Zieh deine Hand vorsichtig unter dem Kopf heraus – die Person liegt nun auf ihrem eigenen Handrücken.
7. Neige den Kopf nach hinten.
8. Öffne den Mund leicht – er sollte tiefer als der Magen liegen, damit Blut oder Erbrochenes ablaufen kann. (Gerade im alpinen Gelände besonders wichtig!)
9. Pack die Person warm ein und sprich beruhigend mit ihr.
Auch in der Seitenlage gilt: Atmung regelmäßig kontrollieren – mindestens alle 20 Sekunden! Ein Atemstillstand kann jederzeit eintreten.
Reanimation
Beim Auffinden einer nicht ansprechbaren Person muss immer der Notruf abgesetzt werden. Wenn keine normale Atmung fest gestellt werden kann, erfolgt unmittelbar die Herz-Lungen-Wiederbelebung, um die Sauerstoffversorgung des Gehirns zu gewährleisten. Die Herz-Lungen-Wiederbelebung bezeichnet eine Kombination aus Herzdruckmassage und Beatmung im Verhältnis von 30 : 2.
Herzdruckmassage und Beatmung
1. Knie dich auf Brustkorbhöhe neben die leblose Person und lege ihren Oberkörper frei.
2. Platziere den Handballen einer Hand auf der Mitte der Brust (untere Hälfte des Brustbeins). Die zweite Hand legst du darüber. Die Schultern sind senkrecht über den Händen, die Arme durchgestreckt.
3. Drück den Brustkorb mit deinem Körpergewicht 5-6 cm tief ein – dabei kräftig und schnell drücken! Nach jedem Druck den Brustkorb komplett entlasten.
4. Wiederhole die Herzdruckmassage mit einer Frequenz von 100-120 Mal pro Minute (fast 2× pro Sekunde).
5. Nach 30 Herzdruckmassagen folgen 2 Beatmungen: Hierzu mit einer Hand die Nase verschließen, die andere liegt am Kinn und neigt den Kopf nach hinten. Schließlich normal einatmen und dann die Lippen um den Mund der verunfallten Person schließen und normal ausatmen.

Herzdruckmassagen und Beatmungen im Verhältnis 30 : 2 werden so lange durchgeführt bis professionelle Hilfe eingetroffen ist oder die helfende Person erschöpft ist.
MERKE! Wärmemanagement muss frühzeitig beginnen – noch bevor die verletzte Person Kälte spürt. Mit Erste-Hilfe-Materialien lässt sich verlorengegangene Körperwärme nicht zurückgewinnen. Eine Rettungsdecke reflektiert zwar Wärme, erzeugt aber keine eigene. Daher gilt: Auskühlen unbedingt so früh wie möglich verhindern
Wickeltechnik
Mit der Wickeltechnik kann man mit einer Rettungsdecke den gesamten Oberkörper abdecken. Die Technik funktioniert auch sehr gut, wenn keine Jacke getragen wird. Der Nachteil: Im Liegen erfordert das Anlegen der Wickeltechnik Übung und durch das Öffnen der Jacke beim Anlegen kann die verletzte Person et was Körperwärme verlieren.
Windeltechnik
Die Windeltechnik ist sowohl im Stehen als auch liegen sehr gut anzuwenden ohne die Jacke öffnen zu müssen. Bei großen Menschen wird die Vorderseite des Oberkörpers möglicherweise nicht optimal geschützt.
Grundsätzlich gilt: Es ist nicht immer notwendig, den Helm sofort abzunehmen. Wenn es die Situation zulässt, kann es aber sinnvoll sein, den Kinnriemen zu öffnen, damit die Person besser atmen kann. Besonders wichtig beim Mountainbiken: Nach einem schweren Sturz solltest du den Helm immer auf Schäden prüfen, bevor es weitergeht. Ein beschädigter Helm muss sofort ersetzt werden, da er keinen ausreichenden Schutz mehr bietet. Schäden am Helm sind außerdem ein Hinweis auf eine hohe Sturzenergie mit Kopfbeteiligung – und damit ein Signal, die gestürzte Person besonders aufmerksam zu beobachten.

Da der Kopf mit Helm nicht ausreichend überstreckt werden kann, muss der Helm bei folgenden Erste-Hilfe- Maßnahmen immer abgenommen werden:
1. Atemkontrolle
2. Seitenlage – Sicherung der Atemwege
3. Reanimation
Tipp: Bitte die verletzte Person, den Helm selbst abzunehmen. Schon dabei bekommst du wertvolle Hinweise auf ihren Zustand:
→ Kann sie die Handlung problemlos ausführen, spricht das für ausreichend Koordination und Bewegungsfreiheit.
→ Zeigen sich Einschränkungen, könnte die Beweglichkeit oder die motorische Kontrolle beeinträchtigt sein.
Wenn möglich solltest du die Helmabnahme immer in der 2-Helfer-Methode durchführen:
Eine mögliche Wirbelsäulenverletzung kann durch eine gewissenhafte Helmabnahme nicht verschlimmert werden! Bei nicht ansprechbaren Personen zählt sie bereits zu den lebensrettenden Maßnahmen und ist unabhängig vom Verletzungsmuster in jedem Fall durchzuführen!
Beachte diese drei wichtigen Punkte:
1. Zeitfenster für Nähen
Wunden, die genäht werden sollten, müssen innerhalb von max. 6 Stunden ärztlich versorgt werden – je früher, desto besser! Danach sind die Wundränder so weit verheilt, dass ein einfaches Nähen nicht mehr möglich ist.
2. Auf versteckte Verletzungen achten
Eine Wunde kann rein äußerlich wirken – z. B. eine Kopfplatzwunde. Doch sie kann auch ein Hinweis auf ein Schädel-Hirn-Trauma sein. Achte deshalb auf weitere Auffälligkeiten! Spätestens bei schwereren Symptomen gilt: Tour beenden und Notruf absetzen.
3. Fremdkörper entfernen und Wunde desinfizieren
Die Wunde desinfizieren und daraus kleine Fremdkörper entfernen, muss mit der entsprechenden Fachkenntnis durchgeführt werden. Bei sogenannten Pfählungsverletzungen, also Gegenständen die im Körper stecken, dürfen diese auf keinen Fall durch den Ersthelfenden entfernt werden. Stattdessen müssen diese stabilisiert und möglichst sauber abgedeckt werden. Für die Verwendung von Desinfektionsmittel lasst euch im Vorfeld fachlich beraten

Achtung: Das Entfernen von Fremdkörpern aus der Wunde einer verletzten Person – auch kleine Steinchen – und das Verwenden von Desinfektionsmitteln, Salben, Tinkturen, Sprays o.ä. kann je nach Land nur medizinischem Fachpersonal vorbehalten und für den Ersthelfer verboten sein.

1. Selbstschutz /Blutungsstärke bewerten
Auch wenn die Wunde nicht stark blutet, steht der Selbstschutz an erster Stelle: Immer Einmal handschuhe anziehen! Es werden leicht und stark blutende Wunden unterschieden. Stark blutende Wunden (stetig laufend oder pulsierend) sind lebensbedrohlich und müssen sofort verbunden werden. Ein regulärer Verband reicht hier nicht aus, hier wird ein Druckverband benötigt.

2. Wunde verbinden
Ist eine leicht blutende Wunde verschmutzt, kann sie oberflächlich mit einer Kompresse gesäubert, oder mit sauberem Wasser ausgewaschen werden. Anschließend wird eine weitere sterile Kompresse direkt auf die Wunde gelegt und mit einer Mullbinde und einem Tapestreifen fixiert. Da sich Verbände am Kopf wegen der Haare und der Kopfform oft schlecht fixieren lassen, wird zuerst horizontal über die Wundauflage gewickelt, dann zwei vertikale Wicklungen über das Kinn zum Fixieren und zum Abschluss noch einmal horizontal.
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3. Achtung bei der Verwendung von Wundnahtstreifen
Wundnahtstreifen eignen sich sehr gut zur Versorgung von klaffenden Schnitt- und Platzwunden. Hierzu muss der Wundrand trocken und sauber sein. Die Wundränder werden dann zusammengedrückt und quer zur Schnittrichtung zugeklebt. Nach dem Wundverschluss ist zwingend ein Arzt (< 6 Stunden) aufzusuchen, da eine ordnungsgemäße Nachbehandlung obligatorisch ist. Nur so können schmerzhafte Entzündungen oder sogar lebensbedrohliche Blutvergiftungen vermieden werden
Heilt eine Wunde in den Tagen nach der Verletzung nicht langsam ab, sondern zeigt rote Ränder, wird heiß oder schwillt an, solltest du unbedingt einen Arzt aufsuchen.
Äußere Verletzungen behandeln
Durch einen Sturz, Aufprall an der Wand, Anprall am Fels oder durch Steinschlag kann es zu Verletzungen am gesamten Körper kommen – vom Kopf über die Arme, den Rücken, den Brust- oder Bauchbereich bis zu den Füßen. Dabei können Bänder gedehnt oder gerissen, Knochen gebrochen sowie Muskeln oder Blutgefäße verletzt werden.
Handgelenkbruch
Beim Bergsteigen oder Mountainbiken kann es durch einen Sturz oder Anprall schnell zu einem Arm- oder Handgelenkbruch kommen. Solche Brüche sind sehr schmerzhaft. Die Tour ist damit beendet und es muss entschieden werden, ob die Rettung zu alarmieren ist oder eigenständig abgestiegen werden kann.
Vorsicht: Weist der Arm oder das Handgelenk eine abnorme Fehlstellung auf, darf diese nicht wieder ausgerichtet werden. Diese Maßnahme ist aufgrund der Komplexität und den möglichen Schäden nur den ÄrztInnen vorbehalten! Auch ein Schienen wird dann kaum möglich sein.
Rippenverletzung
Durch einen Sturz auf den Brustkorb können die Rippen verletzt werden. Die Verletzungen können von einer leichten Rippenprellung bis hin zu mehreren gebrochenen Rippen reichen.
Internistische Probleme
Internistische Probleme sind körperliche Beschwerden ohne äußere Verletzung, wie z. B. Kreislaufprobleme, Unterkühlung oder Herz-Kreislauf-Themen – also alles, was dir auch ohne Sturz auf dem Bike plötzlich Probleme machen kann.
Herzinfarkt
Der plötzliche Herztod ist die häufigste Todesursache in Deutschland – und die zweithäufigste am Berg.
Hitzeerschöpfung
Am Berg wird oft vergessen, regelmäßig Pausen zu machen und zu trinken. Teilweise wird sogar aus Gewichtsgründen keine oder nur eine kleine Trinkflasche mitgenommen. Besonders an sehr heißen Tagen, wenn jemand stark schwitzt oder sich körperlich stark anstrengt, kann diese mangelnde Flüssigkeitszufuhr zu einer Hitzeerschöpfung / Dehydrierung führen.
Kreislaufprobleme
Besonders Erschöpfungszustände, die durch körperliche Anstrengungen entstehen, können Kreislaufprobleme verursachen. Wurde beispielsweise zu wenig getrunken und gegessen oder wurden kaum Pausen gemacht kann sich das auf den Kreislauf auswirken.



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