Merino Garn
Athlete: Wollfaser
Photo: Franz Walter

So entsteht Merinogarn

Wollballen vor der Verarbeitung
Wollverarbeitung Kammzug

Ein Garn ist bei tierischem Ursprung nichts anderes als die Wollfaser, die dann beim Weben oder Stricken weiterverarbeitet wird.

Nachdem die Merinowolle in Tasmanien geschoren und verpackt wurde und ihren Weg nach Asien oder Europa gefunden hat, wird sie gewaschen. Dies findet in den Partnerbetrieben von ORTOVOX entweder in China oder in Bulgarien statt. Hier werden in einem nächsten Schritt die langen und die kurzen Wollfasern voneinander getrennt und die langen Fasern in die Spinnerei gegeben.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Spinnarten oder -techniken: Die Kammgarnspinnerei und die Streichgarnspinnerei. Bei ORTOVOX kommt bei 98 % aller Produkte die Kammgarnspinnerei zum Einsatz. Hierbei entsteht das Garn aus den längeren Wollfasern  (Kammwolle), was wiederum das Endprodukt aus dem Kämmen der Wolle ist. Aus Qualitätsgründen wurden hier die zu kurzen Fasern herausgekämmt, da sie später brechen könnten.

Das Ziel bei jedem Spinnvorgang ist es, gleichmäßige Garnstränge ohne zu dicke oder zu dünne Stellen zu produzieren. Das nennt man auch Parallelisieren der Fasern. Wenn es zu dünne Stellen gibt, kann es passieren, dass später hier der Faden bricht und ein Loch im Gewebe entsteht, was natürlich keiner will.

Die Kammzüge werden in großen Eimern abgelegt. Von dort aus laufen dann mehrere Kammzüge parallel in Maschinen namens „Streckwerke“ ein, um die gewünschte Gleichmäßigkeit zu erhalten. Das Ergebnis von diesem Prozess nennt sich Vorgarn, welches anschließend auf den Ringspinner kommt. Das sind ziemlich große Maschinen, die dafür sorgen, dass die Fasern gleichmäßig verstrickt werden und eine Drehung bekommen. Durch diese Drehung werden die Fasern aneinander geklemmt. So entsteht Reibung und daraus resultierend die so wichtige Festigkeit des Garns. Das hast du sicherlich schon erlebt: Wenn Fasern parallel gelegt sind, kann man sie leicht auseinanderziehen - sobald man sie jedoch dreht, sind sie schön stabil und fest. Wenn eine Faser zu einem Garn gesponnen wird, heißt das im Klartext nichts anderes als Festigkeit durch Drehung. 

  • Merino Wollfleece

Welche Faser in welcher Micronstärke und Länge für welches Garn wie gesponnen und gedreht wird, entscheidet bei ORTOVOX die Produktabteilung. Außerdem gibt, je nach Produkt, der externe Weber oder Stricker weitere technische Vorgaben, die bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden müssen. Die Abstimmung zwischen ORTOVOX und den Spinnereien ist dabei sehr eng und detailliert.

Die Kunst beim Produzieren eines Garns besteht dann auch darin, das richtige Verhältnis von kurzen, mittleren und langen Fasern zu finden und dieses Rohmaterial dann in den geeigneten Spinnverfahren einzusetzen. Dies ist die Aufgabe des „Manipulanten“, einem wichtigen Mitarbeiter, den man in jeder Spinnerei findet.

Neben dem klassischen Ringspinnverfahren kommt in der Produktentwicklung auch das von patentierte Nuyarn-Spinnverfahren zum Einsatz. 

NUYARN®

Merinowolle trifft Nylon

Nuyarn® - Merinwolle kombiniert mit Nylon
Wolle umgibt den Nylon Kern Die besten Eigenschaften von Wolle und Nylon kombiniert

Nuyarn ist ein sehr feines Spezial-Garn mit Nylonkern und dadurch noch wärmer und abriebfester als Produkte aus reiner Merinowolle.

Für Nuyarn® wurde bei ORTOVOX erstmals ein neuartiges Fertigungsverfahren angewandt, das das Garn und damit den Stoff besonders funktionell macht: Um einen reißfesten, elastischen und leichten Kern aus Polyamid im Inneren wird die feine Merinowolle herum gesponnen. Damit wird das Garn extrem elastisch, reißfest und auch sehr robust. Eine feste Drehung der Fasern ist hier nicht erforderlich, sodass das Endprodukt eher dem natürlich weichen Zustand der Wollfaser gleicht, wie es auch auf dem Schafrücken wächst.

Bei allen „normalen“ Garnen spielt die Drehung eine große Rolle: Von den Textilexperten bei ORTOVOX und in den Spinnereien wird festgelegt, wie unterschiedlich stark die Drehung ausgeprägt sein soll: Bei einem Strickgarn ist die Drehung niedriger, da die Festigkeit auf den Maschinen nicht so stark sein muss. Bei einem Fleece-Garn hingegen ist die Drehung höher, da die Belastung in der Maschine und auch später im Gewebe stärker ist. Der Stoff muss am Ende einfach mehr aushalten können.

Die so entstehenden Garne haben also unterschiedliche Festigkeiten, sowohl im Gestrick als auch im Gewebe. Daher kommt es auch, dass Strick sehr viel empfindlicher ist als ein Gewebe, aber auch weicher.

Als Hersteller versuchen wir immer, ein Gleichgewicht zwischen Festigkeit und angenehmen Tragegefühl zu erhalten: Denn je „härter“ ein Garn gedreht ist, desto fester wird es auch vom Griff her. Eine weiche Drehung führt auch zu einem weichen Griff. Logisch, oder? So findet ihr in einer ORTOVOX Hose eher verwobenes Garn, bei den First Layern der Funktionswäsche mehrheitlich Gestrick.