Durchs wilde Usbekistan

  • Durchs wilde Usbekistan
  • Heliskiing im Tian-Shan-Gebirge.

    Zielflughafen: Taschkent

    Wir sitzen im gewaltigen Bauch einer betagten Iljuschin II-96 und donnern nach einer Zwischenlandung in Moskau mit 870 Stundenkilometern und dem Schub von vier Triebwerken Richtung Zentralasien ins Tien-Shan-Gebirge. Zielflughafen ist Taschkent, die Hauptstadt der ehemaligen und 1991 unabhängig gewordenen sowjetischen Teilrepublik Usbekistan.

    Himmlische Berge

    In einem mehrstöckigen Innenstadt-Hotel schlafen wir unseren Jet-Lag aus und brechen gegen Mittag in einem ISUZU-Kleinbus auf ins Tian-Shan-Gebirge. Wir rollen weiter. Durch zerfallene russische Wohnblocks, chaotischen Verkehr, üppige Prachtbauten und quirlige Geschäftsviertel. Schließlich rattern wir auf einer langgezogenen Betonpiste an schneebedeckten Feldern und am verfallenen Örtchen Olmaliq vorbei und sehen die weißglänzenden Ausläufer des Tian-Shan im goldenen Spätnachmittagslicht am Horizont glühen. Das Gebirge ist gewaltig groß und wir bekommen eine Vorahnung davon, warum Tian-Shan im Chinesischen „Himmlische Berge“ bedeutet.

    Obwohl wir bunte Bommelmützen tragen, haben wir ’nen Helm auf, als wir am nächsten Morgen bei perfektem Bluebird-Wetter vor unserem riesigen Helikopter stehen. Jeder Einzelne kann es kaum erwarten, die unglaublich langen Runs im himmlischen Gebirge unter die Planken zu nehmen. Das Transportvehikel dazu ist wahrlich einzigartig. Ein Omnibus der Lüfte für 16 Insassen. „MI 8 MTB" - prangt auf der weiß-grün lackierten Aluminiumaußenhaut unseres im Jahre 1991 gebauten Modells. 18 Meter lang ist das Baby, hat fünf Rotorblätter und eine Spannweite von 23 Metern.


    • Frischluft

      Nicht nur die Stewardessen der Aeroflot auf dem Hinflug, sondern auch die gewaltigen Gebirgslandschaften in Usbekistan rauben uns den Atem

      Frischluft
    • White Beauty

      Ohne Worte

      White Beauty

    • Leicht skeptischer Blick

      Nur selten verirren sich Europäer wie wir ins tiefste Usbekistan.

      Leicht skeptischer Blick
    • Die Whitehearts Crew

      Die Whitehearts Crew

      Geflasht von den monströsen Freeride-Möglichkeiten.

      v.l.n.r. Dirk „Digga“ Wagener, Akki Bruchhausen, Kilian Kimmeskamp

    • Unser Brummer

      18 Meter lang, 5 Rotorblätter und eine Spannweite von 23 Metern.

      Theoretisch bis auf 7.200 hm flugfähig.

      Unser Brummer

  • Powder Asiens
  • Powder Asiens

    Wir landen auf knapp 3.800 Meter am Slovenian Tower. Im Schneekristall-Hagel und Lärm-Chaos schmeißt der Riesen-Heli uns im Schwebeflug raus, rauscht blitzschnell wieder ab und verschwindet hinter der nächsten Felswand. Dann herrscht absolute Stille. Tief beeindruckt blicken wir auf die atemberaubende Kulisse und die verschneiten Flanken und Bergketten, von denen wir zu allen Seiten umgeben sind.

    Endlich tauchen wir in den Powder Asiens ein, filmen und fotografieren was die Kameras und Speicherkarten hergeben, sehen den dicken Truppentransporter dann irgendwann unten auf einem Schneefeld parken und lassen uns wieder zu neuen Zielen shutteln. Zehn fette Runs haben wir auf dem Tacho als wir gegen 15.30 Uhr den Abflug zu unserem Ausgangspunkt am Stausee antreten. Mit müden Beinen schleppen wir uns zum Abendessen.

    Daswidania bzw. Auf Wiedersehen

    Usbekistan wird uns nicht nur aufgrund der allmorgendlichen zähen Wodka-Nachwirkungen lange in Erinnerung bleiben, sondern wegen der monströsen Freeride-Möglichkeiten, den einsamen Weiten und dem puren Powder-Abenteuer im Tian-Shan-Gebirge. Aber das, was neben den Berg- und Skibildern auch haften bleibt, ist das postkommunistische Chaos, die einfache Lebensweise der Menschen, die Exotik der Seidenstraße, der multikulturelle Völkerschmelztiegel 

    Mittelasiens und die bewundernswerte tägliche Kunst der Improvisation, Zuversicht und Bescheidenheit, die alle Usbeken so gut beherrschen. Was nach dieser Reise immer wieder an unserem inneren Auge vorbeiziehen wird, sind deshalb nicht nur die galaktischen Lines und verschneiten Flanken des Tian-Shan, sondern die Menschen! 
    © Story und Bilder von Dirk Wagener, WhiteHearts – www.whitehearts.de