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Selbstrettung


Mit dieser Methode kann der Gestürzte selbst aus der Spalte aufsteigen – sie eignet sich also bei Zweierseilschaften, wenn es nicht möglich ist, eine solide Verankerung zu errichten oder wenn die anderen Seilschaftspartner nicht über das Know-how zur Spaltungsbergung per Mannschaftszug oder Loser Rolle verfügen. Die Selbstrettung teilt sich in zwei Phasen auf: In Phase 1 steigt man mit der Prusiktechnik Hub für Hub bis unter den Spaltenrand auf. Dort beginnt Phase 2, man wechselt auf den Selbstflaschenzug, um sich über die Spaltenlippe zu arbeiten.

Für diese Selbstrettungsmethode kommen 2 Prusikschlingen à 180–250 cm, 1 HMS Karabiner und 2 baugleiche Schnappkarabiner zum Einsatz.

Schritt 1 Schritt 2 Schritt 3 Schritt 4 Schritt 5 Schritt 6
SELBSTSICHERUNG UND TRITTSCHLINGE LEGEN

Für die Selbstsicherungsprusik legt man eine Prusikschlinge ums Seil und legt direkt unter dem Prusikknoten einen Sackstich. Die Enden der Reepschnur werden mit einem Sackstich in den Sicherungsring des Klettergurt eingebunden. In das gelegte Sackstichauge unter dem Prusikknoten wird nun ein Karabiner eingehängt. Die Schlinge ist optimal lang, wenn sie bei ausgestrecktem Arm klemmt.
Eine zweite, längere Prusikschlinge dient als Trittschlinge. Sie wird knapp unterhalb der Selbstsicherungsschlinge mit Prusikknoten am Seil befestigt und die Länge auf einen optimalen Hub angepasst – so dass man mit stark angewinkeltem Bein hineinsteigen kann.

 

BEIN STRECKEN

Nun streckt man das Bein, hält sich mit einer Hand am Seil fest, während die andere den Prusikknoten der Selbstsicherung nach oben schiebt.

SELBSTSICHERUNG VERSCHIEBEN

Man setzt sich in die Selbstsicherung, beugt die Beine und schiebt den Knoten der Trittschlinge nach oben. Die Prusikknoten werden also abwechselnd belastet und man arbeitet sich so Hub um Hub Richtung Spaltenrand nach oben.

EINSATZ DES FALSCHENZUGS AM SPALTENRAND

Der Spaltenrand, dort wo sich das Seil meist tief in Eis und Firn eingeschnitten hat, lässt sich mit der herkömmlichen Prusikmethode nicht überwinden. Deshalb gilt es nun, auf den Selbstflaschenzug umzubauen.

Dafür knüpft man zunächst die untere Trittschlinge aus und bereitet eine Umlenkung, sowie eine Rücklaufsperre am Gurt vor

BAU EINER GARDAKLEMME ALS RÜCKLAUFSPERRE

Für die Rücklaufsperre, die so genannte Gardaklemme, werden 2 baugleiche Schnappkarabiner parallel in den Sicherungsring des Gurtes geklippt. Das Seil wird nun von oben durch die beiden Karabiner gelegt, wieder nach oben geführt, dann noch ein zweites Mal durch den oberen Karabiner geklippt, so dass das Zugseil nun zwischen beiden Karabinern ausläuft. Das Zugseil wird nun im oberen Karabiner der Selbstsicherungsprusik umgelenkt. In die eine Richtung lässt sich das Seil durchziehen, in die andere blockiert die Garda-Klemme – so kann man sich per Selbstflaschenzug aus der Spalte ziehen.

Alternative: Verwenden einer Micro Traxion

Auch hier ist die Verwendung einer Micro Traxion als Rücklaufsperre am Gurt anstelle der Garda-Klemme vorteilhaft. Hierzu wird die Klemme mit Seilrolle zu Beginn als Klemme für die Steigschlinge verwendet. Ist man am Spaltenrand angekommen wird die Micro Traxion nach unten geschoben und in den Sicherungsring des Gurtes gehängt und das Zugseil oben an der Selbstsicherungsprusik umgelenkt. Fertig ist der Selbstflaschenzug mit minimierter Seilreibung.