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Schwere Stunden am Denali (6.194m) - Mit Ski auf den höchsten Berg Nordamerikas

Auf dem Denali können Sturmböen bis 150 Kilometer die Stunde herrschen – bei Temperaturen bis zu -40 Grad. Zum zweiten Mal reist ORTOVOX Bergführer Alex nach Alaska. Er und sein Bergpartner wollen einen der kältesten Berge der Welt mit Ski überschreiten.

Zwischendurch, wenn die dichte Wolkendecke aufreißt, blitzen die abfallenden Flanken des weißen Eisriesen heraus. Inmitten eines riesigen Gletschermeeres, nicht weit vom Polarkreis, steht der 6.194 Meter hohe Denali. Der Hohe oder der Große – so hatten ihn schon die Indianer genannt. Im Gegensatz zum Himalaya beginnt der Denali nämlich schon bald über Meereshöhe und ist vom Fuß bis zur Spitze der höchste Berg der Welt. Wer ihn besteigen will, muss einiges auf sich nehmen. So auch im ORTOVOX Bergführer Alex und sein Freund Günter, die zum höchsten Berg Nordamerikas reisen.

Doch von Anfang an…

Nach 26 Stunden, drei Flügen und wenig Schlaf erreichen Alex und Günter Anchorage den Bundesstaat Alaska Anfang Mai. Schnell das Wichtigste (Essen, Kocher, Karten) einkaufen, dann weiter nach Talkeetna: Dem Ausgangspunkt für alle Bergsteiger, die einen der kältesten Berge der Welt besteigen wollten – mitten in der verlassenen Wildnis Alaskas. Doch wie hätte es in Alaska auch anders sein sollen: Durch das schlechte Wetter können die kleinen Propeller-Maschinen nicht auf den Kahiltna-Gletscher fliegen.

Schlechtwetter, Bier und Bürger

Drei Tage warten Alex und Günter bei Bier und Bürger in der kleinen Stadt bis am Nachmittag des dritten Tages das Telefon klingelt: „We can fly now! How long will it take for you to be here?“, fragt die Stimme am Telefon. 90 Minuten später steigen die Bergsteiger aus der kleinen Maschine und betreten eine andere Welt: Eine unendliche Weite, eine fast beängstigende Verlassenheit einer Eiswüste, aus dem die von Schnee überzogenen wilden Gipfel empor schießen. Hier, am Kahiltna Gletscher, können strahlender Sonnenschein genauso wie Temperaturen von bis zu – 40 Grad und Stürme von unbekannter Stärke herrschen.

Eine andere Welt

Ausgesetzt in der Wildnis, abgeschottet von der Zivilisation, inmitten eines riesigen, eisigen Gletschers machen sich Alex und Günter bereit für ihr Abenteuer: Nicht nur der 6.194 Meter Gipfel ist das Ziel, sondern eine komplette Überschreitung des Denalis.

Um schneller voran zu kommen, verzichten sie auf die üblichen Pulkas zum Hinterherziehen des Gepäcks. Mit über 35 Kilo auf dem Rücken starten Alex und Günter auf Ski ihre erste Etappe. Erst den Heartbreak Hill hinab, dann leicht bergan bis zum Ski Hill Camp auf etwa 2.300 Meter. Tag zwei und drei verlaufen ohne besondere Vorkommnisse nach Plan. Durch den Verzicht der Pulkas und des soliden Wetters erreichen sie bereits am dritten Tag im Medical-Camp – dem eigentlichen Basecamp auf 4.300 Metern.

Alaskas wilde Seite

Zwei Tage ausruhen, danach weiter aufsteigen, um sich zu akklimatisieren: So der Plan. Doch plötzlich zeigt sich der Denali von seiner anderen, wilden Seite. Der blaue Himmel, die Sonne verschwinden. Stattdessen zieht ein Sturm auf, der die Zeltwände zu zerreißen scheint und jeden weiteren Aufstieg unmöglich macht. Bei einer Windgeschwindigkeit von bis zu 80 km/h und Temperaturen um die Minus 35 Grad müssen Alex und Günter zwei tagelang im Zelt verharren.

Zwei Tage, die ihnen zur Akklimatisierung fehlt. Und auch auf den darauffolgenden Tagen werden die Bedingungen nicht besser: Bei heftigem Wind und Schneesturm können sie zwei Touren bis auf knapp 5000 Metern machen.  Am  fünften Tag des Schlecht-Wetters stehen sie schließlich in einem kompletten White-Out, was das Ende ihres eigentlichen Planes heißt. Bei den Gegebenheiten ist eine Überschreitung nicht machbar. Der Gipfel allerdings schon: Alles was sie brauchen ist ein guter Tag. Ein Tag, um die 1900 Höhenmeter vom Medical Camp in einem Push zum Gipfel zu überwinden.

Auf den Gipfel an einem Tag

Warten. Essen. Schneesturm. Die Tage vergehen, der Sturm bleibt. Langsam geht Alex und Günter das Essen zuneige. Andere Expeditionen reisen ab. Doch sie wollen es nicht unversucht lassen. Am 31. Mai soll ein Gutwetter-Fenster kommen. Und tatsächlich: Am 13. Tag ihrer Expedition kommt der gute Tag.

Nach einem fast zehnstündigen Aufstieg stehen Alex und Günter um 17:30 am höchsten Punkt Nordamerikas. Windstill. – 28 Grad. Perfekt. Vier Stunden später sind beide schon wieder sicher im Base Camp angekommen und am darauffolgenden Tag bereits ausgeflogen.

Eine Reise zum Großen, die zäh begann und ziemlich schnell mit glücklichen, erschöpften Gesichtern endete. 

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