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Pik Lenin: Abfahrt in eisiger Höhe

1974 gelang Ignaz Gruber und Alfred Schön die erste Skibefahrung der Nordflanke des Pik Lenin (7134 m). 40 Jahre später macht sich auch ORTOVOX Athletin Geli Kaufmann und ihre niederösterreichische Crew auf, um den bekanntesten Siebentausender im Pamir mit Ski zu befahren.

Der 7.134 Meter hohe Berg, der ursprünglich Pik Kaufmann oder Kaufmann-Spitze hieß, ist der zweithöchste Gipfel des Pamir in Zentralasien und die höchste Erhebung der Transalai-Kette. Ignaz Gruber, der Erstbefahrer, ist ein Bekannter von uns. Grund genug, uns endlich auf die Reise nach Kirgistan zu machen.

Kirgistan ist ein wunderschönes, sehr vielfältiges Land, wo ganz herzliche Menschen leben. Kommend von Osh ging es mit dem Bus in unser Basislager nach Atschik-Tasch auf 3.500m. Zeit zum Erholen blieb uns allerdings nicht: Direkt am nächsten Tag machten meine Jungs Stefan, Hausi, Pimpi, Pati und ich uns auf zur ersten Akklimatisierungstour.

Es folgten drei Tage, die wir mit Wanderungen, Schlafen und Essen verbrachten, ehe wir ins vorgeschobene Basislager auf 4.400 Meter aufstiegen. Hier ist das Leben entschleunigt: Alles passiert ein wenig langsamer und der Schlaf wurde zu meinem besten Freund.

Aufbau Lager auf 5.500 Metern: Ich bekam höllische Kopfschmerzen. Jede Anstrengung war zu viel. Trotzdem bemühte ich mich für meine tüchtigen Burschen und mich genügend Wasser zu schmelzen. Schnee graben, schmelzen, trinken... 

Besser wurde es allerdings erst nach einigen Stunden, als wir wieder einige Meter absteigen konnten. Mit jedem Meter ging es mir besser. Ich freute mich auf mein Zelt, ausreichend Schlaf, Essen und Ruhe.

An den Ruhetagen lasen wir viel, gingen Bouldern, wanderten über den Gletscher, gingen Eisklettern oder hingen in „Grindelwald“ ab. Dort gab es wie ein Café und es war herrlich zum Beobachten und News zu erfragen.

Nach zwei Tagen Pause machten wir uns auf zum Akklimatisieren auf Camp 2 in 5.500 Meter Höhe. Ich fühlte mich wesentlich besser als beim ersten Mal auf dieser Höhe. Dort oben war es wirklich unglaublich schön: Warm, windstill, allein und a super Unterhaltung durch unsere zwei deutschen Freunde. Als Zeitvertreib optimierten wir unsere Lounge und die Chillout-Area -  A moads Gaudi!

Am nächsten Tag stand ein Abstecher auf Camp 3 (6.050 m) auf dem Programm, wo wir auch gleich nach der Ankunft alle in einen Powernap fielen. Beim Anblick des Porters Slava, in Shorts und mit lauter Musik, der tagtäglich rauf und runter rennt, wurde die Freude über unsere Leistung dann doch ein wenig relativiert. Nach einer weiteren Nacht auf 5.500 Metern freuten wir uns wieder auf das Basecamp und auf richtiges Essen. Das Packerlfutter konnte keiner mehr sehen!

Der Plan war einige Tage zu pausieren, um dann den Gipfel anzuvisieren. Doch den Plan hatten wir ohne das Wetter gemacht. Es hat uns nur noch zwei schöne Tage geschenkt - somit sind wir einen Tag später schon wieder hinauf. Essen und Chillen auf Camp 2, am späten Nachmittag auf Camp 3 zum Schlafen.

Die zwei Bastis, unsere deutschen Freunde, waren einen Tag früher dran. Wir konnten sie bei der Einfahrt ins "Window 1″ beobachten, um in die Nordwand zu gelangen, und die Verhältnisse ein wenig einschätzen.

Gipfeltag

Mit Pimpi schlief ich auf 6.050 m erstaunlich gut, sodass wir glatt verschliefen und unseren Zeitplan komplett umwerfen mussten. Bis man in dieser Höhe angezogen ist, gefrühstückt hat und aufbricht, ist man zwei Stunden beschäftigt.

Dann ging es los: Schritt für Schritt kamen wir langsam immer höher. Die ersten Sonnenstrahlen erwärmten unseren Körper und unseren Geist. Der Weg war lang, sehr lang. Der Gipfel schien noch ewig von uns weg zu sein und je höher ich kam, desto mehr Pausen brauchte ich.

Zehn Schritte, Pause. Wieder zehn Schritte, Pause. Doch die Aussicht und das unglaubliche Gefühl gaben mir Kraft und Motivation. Am Gipfel angekommen, fiel ich Lenin um den Hals und genoss den Moment so gut es ging. Der Sturm piff uns so um die Ohren, dass wir kaum aufrecht stehen konnten.

 „Manche Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, Ihnen zu folgen“

Die erste Hälfte war geschafft, also Felle runter und auf geht’s! Dieser Moment war wie eine Erleichterung und ein Kraftschub zugleich. Ich freute mich, die Ski anzuziehen und aus dem Wind zu kommen. An der Einfahrt des "Window 1" justierten wir nochmals alles nach - und dann gings los in eine wahnsinnslange Abfahrt. Viel Bruchharsch, der uns Kraft gekostet hat. Doch als wir im ABC ankamen, waren alle trotz der Müdigkeit erleichtert und glücklich. Selten hat ein Essen so gut geschmeckt wie an diesem Abend!

Für mi war's a volles Abenteuer: jeden Tag auf's Neue! Es war interessant zu spüren, wie die Höhe auf den Körper und die Psyche wirkt und wie andere Menschen damit umgehen. Man sammelt so viele unterschiedliche Eindrücke.

Kurz gesagt: Mia hat´s taugt. Bedanken möcht ich mich bei den Jungs, die einen großen Teil zu dem lässigen Trip beigetragen haben. Und vor allem beim Pati, der mich fast 3 Wochen im Zelt ausgehalten hat. DANKE!

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